2000 Jahre Stadtgeschichte. Kein Wunder, dass Köln einige schaurige True-Crime-Geschichten zu bieten hat. Zwischen Dom, Laufhäusern und Kult-Kneipen verbargen sich Gestalten, denen man lieber nicht begegnen wollte. Eine davon war „Schäfers Nas“. Jener Mann, der in den 60ern und 70ern das kölsche Milieu beherrschte und bis heute als eine der markantesten Figuren der Kölner Unterwelt gilt. Sein Leben zwischen Gewalt, Macht und krummen Geschäften zeigt, wie unheimlich der Einfluss von gewissen Menschen auf eine ganze Stadt sein kann.
Lust bekommen auf mehr True Crime in Köln? Hier findest du Teil 1 und Teil 3 der Blogserie.
„Schäfers Nas“ – eine der markantesten True-Crime-Figuren aus Köln
Wer in Köln vom „Milieu“ spricht, kommt an einem Namen nicht vorbei: Heinrich Schäfer, besser bekannt als „Schäfers Nas“. Geboren 1937, wurde er in den 1960er- und 1970er-Jahren zur dominierenden Figur im Kölner Rotlicht. Rund um die Ringe und das Friesenviertel galt er als einer, der das Sagen hatte – eine „Rotlichtlegende“, über die bis heute Geschichten erzählt werden. Mit fast zwei Metern Körpergröße, etwa 140 Kilo Gewicht und einem von Narben gezeichneten Gesicht wirkte er wie eine Schreckensgestalt aus einem Gangsterfilm. Seine auffällige Nase brachte ihm den Spitznamen ein, sein Ruf den Rest: jähzornig, brutal, unberechenbar. Andere Ganoven fürchteten ihn, Polizisten begegneten ihm mit Respekt und Vorsicht. Schäfers Nas prägte das Bild des „kölschen Milieus“ wie kaum ein anderer – als Symbol für die dunkle, aber irgendwie doch typisch kölsche Seite der Stadt, in der damals Härte, Regeln und Legenden dicht beieinanderliegen.
Eine Legende des kölschen Milieus: Wer war „Schäfers Nas“?
In diese Zeit fällt auch eine der bekanntesten Rivalitäten des Kölner Milieus: die Fehde zwischen Schäfers Nas und Anton „Dummse Tünn“ Dumm, ebenfalls eine markante Figur des Kölner Rotlichtmilieus. Im September 1975 eskalierte ihre Spannung in einem offenen Streit, vor der Diskothek kam es zum Kampf, bei dem Schäfer Dumm niederschlug. Die Auseinandersetzung wurde im Kölner Milieu legendär und stärkte Schäfers Ruf als unangefochtene Macht. Bemerkenswert am Rande: Dummse Tünn fand später außerhalb des Rotlichts eine bizarre neue Rolle – als Leibwächter der berühmten Schauspielerin Romy Schneider.
Liebe, Gewalt und Loyalität: Petra und ihr Leben mit Schäfers Nas
Zurück zu Schäfers Nas. Eine Frau erlebte sein Leben über viele Jahre aus nächster Nähe: seine Ehefrau Petra. Sie lernte ihn während eines Freigangs aus dem Gefängnis kennen – schon das zeigt, wie sehr Kriminalität und Privatleben bei Schäfer verwoben waren. In späteren Interviews sprach Petra mit schonungsloser Offenheit über ihn: Sie nannte ihn einen „Drecksack“ und „Frauenhasser“ und machte klar, wie sehr sie unter seiner Gewaltbereitschaft und seinem Charakter litt. Gleichzeitig schildert sie einen Mann mit eigenem, bizarr anmutenden Prüfungen und Ehrenkodex. Er ließ sie von Freunden besoffen machen, um herauszufinden, wie ihr „wahrer Charakter“ sei. Er testete ihre Loyalität, indem er Geld offen liegen ließ, um zu sehen, ob sie schwach werden würde. Und doch betonte sie auch seine andere Seite: dass er alten Frauen über die Straße half, Obdachlosen in der Annostraße regelmäßig etwas zu essen spendierte – „das macht kein böser Mensch“, sagte sie einmal. Für Petra muss diese Beziehung eine permanente Zerreißprobe gewesen sein: Leben mit einem Mann, den sie zugleich liebte, fürchtete, verachtete – und dessen Schatten sie bis heute nicht loslässt.
Die Justiz schlägt zu: Prozess, Verurteilung und Gefängnisjahre
Juristisch war Schäfers Nas längst kein unbeschriebenes Blatt, als die Justiz in den 1980er-Jahren ernst machte. Über Jahre hinweg sammelten Ermittler:innen Material gegen den Mann, der im Kölner Rotlichtmilieu als unantastbar galt. Erst 1984 kam es zur großen Abrechnung vor Gericht: Heinrich Schäfer wurde unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Vergewaltigung, Zuhälterei und Freiheitsberaubung zu acht Jahren Haft verurteilt. Es war das Ergebnis langer Ermittlungen in einem Milieu, in dem Angst und Schweigen zum Alltag gehören. Über sein Wirken im Gefängnis ist wenig bekannt – die Akten erzählen vor allem von der Strafe, weniger vom Alltag hinter den Mauern. Sicher ist: Schäfer blieb auch dort eine markante Figur, und bei einem Freigang knüpfte er die Beziehung zu der Frau, die später über ihn sprechen und Teile seines Mythos mitprägen sollte – Petra.
Zwischen Öffentlichkeit und Kirche: Schäfers Nas in den 1990ern
In den 1990er-Jahren ist Schäfers Nas wieder draußen, und Köln hat sich verändert – aber er ist noch immer ein Name, der Gewicht hat. Nun sucht er zunehmend auch die Öffentlichkeit: Er tritt in einer Fernsehtalkshow wie „Schreinemakers Live“ auf, seine Geschichte inspiriert ein Stück am Millowitsch-Theater. Und 1996 gerät er in einen Fall, der ihn ausgerechnet mit der Kirche zusammenbringt: Ein Diebstahl im Kölner Dom erschüttert das kirchliche Umfeld. Dabei spielt der Kardinal eine Rolle. Es kommt zu dem ungewöhnlichen Ereignis, dass Schäfers Nas, der Mann aus der Schattenwelt, bei der Lösung dieses Falls hilft. Doch wie kommt diese unwirkliche Verbindung zwischen katholischer Kirche und dem Rotlichtmilieu zustande? Und worum genau ging es hier? Ob aus dem Verbrecher nun ein Heiliger wird, verrät die spannende stern Crime Tour in Köln. Auf diesem Rundgang gibt es, wie für Eat the World typisch, nicht nur köstliche Happen aus der Kölner und der internationalen Küche, sondern ganz besondere schaurige Geschichten der dunklen Kapitel der Domstadt zu hören. Empfehlenswert, nicht nur für True-Crime-Fans!
Ein abruptes Ende: Tod, Vermächtnis und der Mythos von Schäfers Nas
Am Ende steht kein glamouröses Gangster-Finale, sondern ein abruptes Ende. Schäfers Nas hatte es materiell weit gebracht: große Autos, mehrere Immobilien, darunter zwei Villen in Koblenz – und als ob das noch nicht reicht: sogar ein ehemaliges Torpedofangboot aus dem Zweiten Weltkrieg besaß er, die „Colorado“, die er zur privaten Luxusyacht umbauen ließ. Er lebte sichtbar über den Verhältnissen eines „normalen“ Kölner Bürgers – und doch blieb unter der Oberfläche vieles faul. 1997 starb Heinrich Schäfer im Alter von 60 Jahren an Herzversagen. Kurz zuvor hatte er noch einen mutmaßlichen Brandanschlag auf sein Haus überlebt, bei dem seine geliebte Hündin Anja ums Leben kam. Seine Asche wurde später im Meer vor Helgoland bestattet. Für Petra blieb nicht Reichtum zurück, sondern Schulden – sie erbte die finanzielle Last seines Lebensstils, nicht seinen Mythos. In Köln aber lebt dieser Mythos weiter. Schäfers Nas ist längst mehr als nur eine Figur aus Polizeiakten: Er steht für die Ambivalenz dieser Stadt, in der Kriminalität, Katholizismus, Kölsch-Humor und Tragödie manchmal nur eine Gasse voneinander entfernt liegen.
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