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Der kaltblütige Karnevalsmord an Petra Nohl (True Crime in Köln Teil 1)

Köln ist eine Stadt, in der Tradition und Alltag eng mit einer langen Geschichte von Kriminalität verwoben sind. Bereits in der römischen Antike, am Beginn von über 2000 Jahren Kölner Stadtgeschichte, entstanden hier Erzählungen über Machtkämpfe und Intrigen, etwa um Agrippina, deren Einfluss und Entscheidungen bis heute nachwirken. Über die Jahrhunderte waren es jedoch nicht spektakuläre Serienverbrechen, die das Bild der Kriminalität prägten, sondern vor allem Täuschungen, Fälschungen, Raubdelikte und soziale Konflikte. Begriffe wie „Fringsen“ oder der Titel Chicago am Rhein spiegeln wider, wie sehr Armut, Moral und Gesetzesbrüche im Köln der Nachkriegszeit miteinander verknüpft waren. Noch heute beschäftigen einzelne Kölner Mordfälle die Öffentlichkeit, und das Interesse an wahren Kriminalfällen zeigt, wie stark diese Ereignisse in die Stadtgeschichte eingebettet sind. Verbrechen ereignen sich oftmals mitten in den Veedeln, die viele Menschen täglich durchqueren.

Hier ist der erste Teil unserer True-Crime-Geschichten, die sich wahrlich kein:e Krimi-Autor:in ausdenken kann. Teil 2 und Teil 3 findest du hier im Blog.

Der Karnevalsmord: Der Fall Petra Nohl

Der sogenannte Karnevalsmord zählt zu den Fällen, die Köln über Jahrzehnte beschäftigt haben. Erst Jahre später kam es zu der entscheidenden Wendung.
Es ist die Nacht zum Karnevalssonntag, dem 14. Februar 1988. Die Kölner Altstadt ist voller kostümierter Menschen, Musik und ausgelassener Stimmung. Auch Petra Nohl, 24 Jahre alt und Mutter einer kleinen Tochter, ist an diesem Abend mit Freundinnen unterwegs. Nach dem Besuch einer Diskothek in der Kölner Altstadt trennen sich in der Nacht die Wege der Gruppe. Sie leiht sich von einer Freundin 100 D-Mark, um allein in einen anderen Nachtclub weiterzuziehen. Doch dort kommt sie nie an.

Am Morgen des Karnevalssonntag 1988 wird ihre Leiche entdeckt – hinter einem für die Karnevalstage aufgebauten Bier- bzw. Imbissstand, unweit jener Strecke, auf der wenig später die Schull- un Veedelszöch vorbeiziehen sollten. Die Lage des Fundorts mitten im Karnevalstrubel machte den Fall besonders brisant: Während die Kriminalbeamten noch am Tatort Spuren sicherten, zog nur wenige Meter entfernt der Festumzug durch die Straßen.

Dass der Fundort mitten im Zentrum des kölschen Feiergeschehens lag, machte deutlich, wie schwierig die Ermittlungen werden würden. Die Ermittler:innen hatten es mit einer Vielzahl potenzieller Zeug:innen zu tun, deren Erinnerungen oft verschwommen waren – sei es aufgrund der Menschenmassen, der Dunkelheit oder des Alkohols.

Nahaufnahme eines blauen Polizeiautos, das im Dunkeln blinkt - ein Bild, das an den Fall Karnevalsmord erinnert, der True Crime Köln erschütterte und von Petra Nohl untersucht wurde.
Foto von Max Fleischmann auf Unsplash

Ermittlungen und jahrelanger Cold Case

Trotz intensiver Ermittlungen kam der Fall jahrelang nicht voran. Zwar wurden Spuren gesichert, doch die Technik war damals noch nicht weit genug, um diese vollumfänglich auszuwerten. Der Fall ruhte und wurde zu einem der bekanntesten „Cold Cases“ in Köln. In Presse und Ermittlerkreisen prägte sich der Name „Karnevalsmord“ für das Verbrechen ein. Der Begriff zeigt bereits, welchen traurigen Stellenwert der Fall in Köln bekommen hatte. Über viele Jahre hinweg verstaubte die Akte Petra Nohl bei der Polizei, ohne dass ein Täter ermittelt werden konnte.

Erst Jahrzehnte später führte eine gezielte Medienoffensive zu einer entscheidenden Wendung. Im Dezember 2022 wurde der Fall in der Sendung Aktenzeichen XY… ungelöst neu aufgerollt. Genau diese öffentliche Aufmerksamkeit brachte den Durchbruch: Ein Mann, der den Beitrag sah, erinnerte sich an eine Begegnung in der Tatnacht und meldete sich bei der Polizei.

Ein Zeuge erinnert sich und bricht sein Schweigen

Dieser Zeuge berichtete, er habe in jener Nacht mit einem Bekannten zusammen am Taxistand gestanden, wo auch Petra Nohl kurz auftauchte. Als kein Taxi kam, sei Petra weggelaufen, und sein Bekannter sei ihr gefolgt. Bereits am Tag nach der Tat habe jener Bekannte sein Aussehen verändert und den Zeugen gedrängt, nicht zur Polizei zu gehen. Nun, im Lichte des TV-Beitrags, brach der Zeuge sein Schweigen. Er belastete seinen früheren Freund schwer, indem er dessen Verhalten in der Tatnacht und danach schilderte. Damit hatte die Polizei plötzlich einen konkreten Verdacht gegen eine Person.

Diese heiße Spur führte die Ermittler zu einem inzwischen 56-jährigen Mann aus Köln. Nun kam auch die moderne Forensik ins Spiel: DNA-Analytik ermöglichte den Abgleich mikroskopisch kleiner Hautpartikel, die 1988 unter den Fingernägeln des Opfers gesichert worden waren, mit der DNA des neuen Verdächtigen. Es war ein Treffer. Das DNA-Profil stimmte mit einer der gesicherten Spuren überein. Damit war der zunächst vage Tatverdacht wissenschaftlich untermauert – ein Meilenstein, der 1988 technisch noch undenkbar gewesen wäre.

Festnahme und Urteil: Gerechtigkeit nach Jahrzehnten

Am 14. Februar 2023, auf den Tag genau 35 Jahre nach der Tat, wurde der Mann festgenommen. Der Verdacht gegen ihn erhärtete sich so deutlich, dass Anklage erhoben wurde. Am 1. März 2024 sprach das Landgericht Köln schließlich das Urteil: lebenslange Haft wegen Mordes aus Habgier und niedrigen Beweggründen.

Petra Nohl wurde an jenem Morgen mit großer Wahrscheinlichkeit zufällig zum Opfer: Laut Anklage begegnete sie ihrem späteren Mörder, als sie allein zu Fuß zwischen zwei Diskotheken unterwegs war. Der Täter nutzte offenbar die Situation aus. Er raubte Petra Nohl ihre Handtasche und Wertsachen und tötete sie anschließend gewaltsam. Später stellte sich heraus, dass Petra mit ihrer eigenen Halskette erdrosselt wurde. Aus ihrer schwarzen Lederhandtasche und einem auffälligen Brustbeutel mit „Biene-Maja“-Motiv entwendete der Täter etwa 100 D-Mark Bargeld. Genau die Summe, die sie sich kurz zuvor geliehen hatte. Auch ihren Hausschlüssel nahm er an sich.

Die Bedeutung des Falls für Köln und die Hinterbliebenen

Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Mord an Petra Nohl erhielt die Stadt Köln eine späte, aber bedeutsame Antwort auf einen ihrer schmerzlichsten ungeklärten Fälle. Was 1988 im Feiergetümmel des Karnevals geschah, konnte erst durch neue Hinweise und moderne forensische Methoden aufgeklärt werden. Die DNA-Analytik führte schließlich zum Täter, dessen Verurteilung im Jahr 2024 nicht nur die Ermittler, sondern vor allem die Angehörigen entlastete.

Für Petra Nohls Tochter, die fast ihr ganzes Leben ohne Gewissheit über die Umstände des Verlusts ihrer Mutter verbracht hatte, bedeutete das Urteil ein wichtiges Stück Klarheit.
Der Fall zeigt, wie eng Freude und Tragik im Kölner Karneval beieinanderliegen können und wie bedeutend konsequente Ermittlungsarbeit, öffentliche Aufmerksamkeit und moderne Forensik für die Aufklärung jahrzehntealter Verbrechen sein können.

Viele weitere spannende True-Crime-Fälle hören Sie auf der kulinarischen Crime-Tour Köln von stern Crime und Eat the World. Unser Tourguide nimmt Sie mit auf einen Rundgang durch Köln und berichtet von den dunklen Kapiteln der Domstadt. Und fürs leibliche Wohl ist natürlich gesorgt.

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